Historie & Meilensteine
Was 1974 als Modell zur steuerlichen Optimierung begann, hat sich zur zentralen Konzernholding der Freien und Hansestadt Hamburg entwickelt. Seit fünf Jahrzehnten steuert die HGV im Zusammenspiel mit der Finanz- und den Fachbehörden öffentliche Unternehmen, sichert strategische Standorte und gestaltet das Wachstum der Elbmetropole aktiv mit – ein Rückblick auf unsere Meilensteine.
Wie alles begann
Die HGV wird am 27. Mai 1974 als Hamburger Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung m.b.H. gegründet. Die Gründungsidee war, die Gewinne und Verluste verschiedener öffentlicher Unternehmen in Hamburg zur Steueroptimierung miteinander zu verrechnen. Die ersten Beteiligungen der HGV sind die Unternehmen Sprinkenhof AG, Hamburg Messe und Congress GmbH.
Die HGV erweitert ihr Portfolio um die Hamburgische Electricitäts-Werke (HEW) und HOCHBAHN AG. Zudem erwirbt sie Anteile des Luft- und Raumfahrtunternehmens Messerschmidt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB). Hintergrund war die Entwicklung des Luftfahrtstandortes Hamburg. Die Beteiligung wurde im Jahr 2002 wieder verkauft, um die Kosten für den Ausbau des Mühlenberger Lochs zur Standorterweiterung für Airbus zu refinanzieren. Die MBB war ein erstes Beispiel für eine wirtschaftspolitisch motivierte Beteiligung an einem privaten Unternehmen durch die HGV.
Im Oktober 1979 wird als weitere Verbundmaßnahme mit der Bürgerschaftsdrucksache 9/1250 beschlossen, die Hamburger Gaswerke zu einem HGV-Unternehmen zu machen. Hintergrund hierbei war, dass sich nach der Abkehr vom Produktionsunternehmen hin zu einem reinen Verteilunternehmen zunehmende Gewinne im Gasbereich abzeichneten. Neun Jahre später wurden die Anteile an den Gaswerken an die HEW AG, die Thüga AG und die Brigitta (BEB) veräußert – bis auf 10,1 Prozent, die bei der HGV verblieben.
Die Neue Heimat-Gesellschaften, damals ein gemeinnütziges deutsches Bau- und Wohnungsunternehmen, und eine weitere gewerkschaftliche Wohnungsgesellschaft bewirtschafteten in Hamburg zu dieser Zeit rund 40.000 Wohnungen. Die Gesellschaften befanden sich aber wirtschaftlich in der Krise. Unkalkulierbare wohnungsmarkt- und kreditpolitischen Folgen sollten vermieden, die Mieter geschützt und die Kredite gesichert werden.
Mit Bürgerschaftsdrucksache 13/3397 wurde beschlossen, die Wohnungen durch zwei städtische Gesellschaften zu übernehmen. Rund 75 Prozent übernahm die GWG Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft m.b.H., damals noch eine Tochter der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt AöR (WK). Die restlichen rund 25 Prozent übernahm die Ende 1988 ins Leben gerufene Wohnungsverwaltungsgesellschaft Nord m.b.H. (WVN). Diese war eine Tochtergesellschaft der HGV. So hatte sich der Aufgabenbereich der HGV-Unternehmen um ein sozialpolitisches Thema erweitert.
Neue Verantwortung
Die 90er Jahre stehen im Zeichen der Expansion und Diversifizierung. Große Infrastrukturträger wie Wasserwerke, Hafen und Flughafen erweitern das Portfolio. Gleichzeitig etabliert sich die HGV als „Feuerwehr“ für bedeutende Wirtschaftsunternehmen in der Krise und steigt massiv in das Immobilienmanagement sowie die Entwicklung der HafenCity ein.
Die Hamburger Wasserwerke GmbH (HWW) wird ein neues Tochterunternehmen im HGV-Verbund. Durch die Herstellung einer gewerbesteuerlichen Organschaft sollte die bisher bei den Wasserwerken anfallende Gewerbekapitalsteuer vermieden werden. Zudem wurde die Ausgliederung des Bäderbetriebes aus der HWW beschlossen, der aber über eine Organschaft mit der HWW und damit mit der HGV verbunden blieb. Seit Ende 2003 ist die Bäderland GmbH eine direkte HGV-Tochter.
Weitere öffentliche Unternehmen, die Überschüsse erzielten, wurden mit dem Ziel der Steueroptimierung in den HGV-Verbund aufgenommen. Dazu gehörte die im hundertprozentigen Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg befindliche Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG (heute: Hamburger Hafen und Logistik AG, HHLA).
In den Jahren 1993 bis 1995 hatte auch der Hamburger Flughafen Gewinne erzielt und vorangegangene Verlustvorträge aufgebraucht. Daher entstand 1996 die Idee, auch dieses Unternehmen in den HGV-Verbund zu integrieren. Die Stadt war seinerzeit mit 64 Prozent an der Flughafen Hamburg GmbH (FHG) beteiligt – weitere Anteilseigner waren der Bund und das Land Schleswig-Holstein. Zu diesem Zeitpunkt besteht die HGV aus einem bunten Strauß an Beteiligungen aus dem Bereich staatlicher Aufgabenwahrnehmung.
Der Bierproduktion gehört nicht gerade zu den staatlichen Aufgaben. Trotzdem kommt die HGV Ende der Neunziger damit in Berührung, als die Bavaria-St. Pauli-Brauerei AG in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Durch die Gründung von Tochterunternehmen übernimmt die HGV zwischenzeitlich Grundstücke, um den Betrieb der Traditionsbrauerei und die 220 direkten und 150 indirekten Arbeitsplätze am Standort Hamburg zu sichern.
Im Jahr 1998 konnten die Tochterunternehmen dann erfolgreich an die Holsten Brauerei AG weiterverkauft werden. Das Modell der HGV, sich zur Standortsicherung an privaten Unternehmen zu beteiligen, die in wirtschaftliche Schieflage geraten und für den Wirtschaftsstandort Hamburg von strategischer Bedeutung sind, kommt daraufhin immer wieder zum Einsatz. Zum Beispiel im Fall von Beiersdorf (2003-2007), der Norddeutschen Affinerie (heute: „Aurubis“) und Hapag-Lloyd im Jahr 2008.
Die Neuordnung des Managements öffentlicher Gebäude stand auf dem Plan. Die Einführung von Mietzahlungen sollte eine verbesserte Ressourcensteuerung erreichen. Daneben sollten auch Möglichkeiten zur Vermögensmobilisierung ausgelotet werden. Grundstücke und Gebäude wurden auf die neu gegründete Kommanditgesellschaft VHG Verwaltung Hamburgischer Gebäude GmbH & Co übertragen. Die Komplementär-GmbH dieser Vermögensverwaltung wurde als HGV-Beteiligung gegründet. Die Vermietung der Immobilien sollten Betriebsgesellschaften übernehmen.
In diese Zeit fiel auch die Entscheidung, das Gebiet der sogenannten HafenCity von der hafenwirtschaftlichen zur stadtwirtschaftichen Nutzung überzuleiten. Für die Umsetzung dieser Maßnahmen wurde die GHS Gesellschaft für Hafen- und Standortentwicklung mbH aus dem HHLA-Konzern herausgelöst und an die HGV angebunden. Parallel dazu führten die akute Haushaltsnot und die Liberalisierung des Energiemarktes dazu, dass die Stadt Anteile an der Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) schrittweise verkaufte.
Zwischen 1999 und 2002 verkaufte die HGV ihre verbliebene Mehrheit an den Hamburgischen Electricitäts-Werken (HEW) schrittweise an Vattenfall, womit die Hamburger Energienetze vollständig privatisiert wurden. Um die hohen Verkaufsgewinne auch steuerlich optimiert an den städtischen Haushalt zu transferieren, wurden die Verkaufserlöse von der HGV in städtische Immobilien investiert. Die HGV erwarb von der FHH 146 Polizei- und Feuerwehrgebäude sowie zu einem späteren Zeitpunkt noch die Museumsimmobilien und legte damit den Grundstein für ein Immobilienportfolio. Der Gesellschaftsvertrag wurde entsprechend erweitert und die Gebäude fortan an die städtische Immobilienverwaltung IMPF vermietet.
Vom Verwalter zum Gestalter
Im neuen Jahrtausend vollzieht die HGV den Wandel zum aktiven Beteiligungsmanagement. Das Portfolio wird strategisch neu justiert: Während Anteile am Hafen an die Börse gehen, sichert der Konzern den Reederei-Standort Hamburg und holt die Energienetze zurück in städtische Hand. Heute liegt der Fokus verstärkt auf der Daseinsvorsorge – vom Schulbau über Glasfasernetze bis hin zur Pflege.
Schon Mitte der 1990er Jahre wurden im Rahmen einer Neuordnung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auch die Konzernstrukturen der Hamburger Verkehrsunternehmen neu geordnet und die Pinneberger Verkehrsgesellschaft (PVG) aus dem HOCHBAHN-Konzern ausgegliedert und aus Wettbewerbsgründen als eigenständiges Unternehmen in die HGV aufgenommen. Seit 2000 gehört auch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH) zum HGV-Verbund. Die Mehrheitsanteile an der PVG wurden später zunächst von der VHH übernommen und 2012 mit der VHH verschmolzen.
Die HGV weitet ihre Immobilienaktivitäten aus und beteiligt sich mit 13,75 Prozent an der SAGA Siedlungs-Aktiengesellschaft. Ziel ist, „das immobilienwirtschaftliche Know-how der HGV zu verbreitern und die Eigenkapitalbasis der SAGA deutlich zu stärken“. Diese Expansion fiel in eine Zeit intensiver öffentlicher Debatten über die Grenzen staatlicher Wirtschaftstätigkeit: Trotz wiederkehrender Gewinne der HGV standen sich Befürworter der effizienten privatrechtlichen Organisationsform und Kritiker gegenüber, die entweder ordnungspolitische Bedenken gemäß der Landeshaushaltsordnung anmeldeten oder die Maßnahmen als bloße „halbherzige“ Privatisierung ablehnten.
Hamburg verabschiedet Grundsätze für die Privatisierung öffentlicher Unternehmen. Das 1983 eingeführte Funktionsmodell wird durch das sogenannte Verantwortungsmodell abgelöst. Ziele waren die Verringerung der Kontrolldichte, verbesserte Effizienz durch Vermeidung von Doppelarbeit und stärkere Verantwortung der gesetzlichen Aufsichtsgremien. Im Rahmen dieser Reform wurde die Verantwortung der Fachbehörden für die Steuerung ihrer Beteiligungen gestärkt.
Die Finanzbehörde nahm weiterhin Querschnittsfunktionen wahr und wurde bei wichtigen Beteiligungen weiterhin maßgeblich einbezogen – man spricht deshalb von einem „erweiterten Verantwortungsmodell”. Im Folgejahr nahm der Senat dann eine Einordnung der HGV-Beteiligungen in die Kategorien der Privatisierungsgrundsätze vor. Die Steuerung erfolgt – neben der Wahrnehmung von Gesellschafteraufgaben - im Wesentlichen über staatlich vorgegebene Zielbilder der öffentlichen Unternehmen sowie die Besetzung der Aufsichtsräte mit Senatsvertretern, die unter anderem über Unternehmenskonzepte und Wirtschaftspläne entscheiden.
Durch einen Squeeze Out übernimmt die HGV die verbliebenen Anteile der Minderheitsaktionäre an der HOCHBAHN AG. Seither hält sie 100 Prozent des Grundkapitals.
Im Zeitraum von 2006 bis 2007 wurde die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) zum Teil privatisiert. Nach einem Interessenbekundungsverfahren vollzogen im November 2007 30,3 Prozent des Grundkapitals einen Börsengang (Teilkonzern Hafenlogistik). Die aus diesem Verkauf erzielten Erlöse – oft als „HHLA-Milliarde“ bezeichnet –, wurden über die HGV schrittweise an den städtischen Haushalt transferiert. Im Gegenzug erwarb die HGV weitere Anteile an der SAGA. Zeitgleich vollzog die HGV einen Modernisierungsschritt, der 2007 auch formal in der Umbenennung der Gesellschaft von „Beteiligungsverwaltung“ in „Beteiligungsmanagement“ nachvollzogen wurde.
Ende des Jahres 2008 kündigt der TUI-Konzern den Verkauf der Hapag-Lloyd AG an. Die HGV interveniert, um eine drohende Übernahme durch asiatische Investoren und den damit befürchteten Verlust des Hamburger Hauptsitzes abzuwenden. Zunächst ist das nur als ergänzende Unterstützung privater Hamburger Investoren geplant. Aber durch notwendige Stützungsmaßnahmen in den Folgejahren steigt die HGV zum damals größten Einzelaktionär der Reederei auf.
Im Zuge des Volksentscheids zur Rekommunalisierung der Energienetze beteiligte sich die HGV ab 2011 zunächst mit 25,1 Prozent an den Hamburger Strom-, Gas- und Wärmegesellschaften. Dieser Schritt wurde Anfang 2014 beim Stromnetz konsequent fortgesetzt, als die HGV über die neu gegründete Tochter Hamburg Energienetze GmbH (HEG) die verbleibenden Anteile von Vattenfall erwarb. Im Jahr 2016 folgt der Rückkauf von Gasnetz Hamburg sowie 2019 von Wärme Hamburg.
Die HGV präsentiert sich als umfangreicher Konzern mit insgesamt über 180 unmittelbaren, mittelbaren oder assoziierten Beteiligungen, einer Bilanzsumme von über 12 Milliarden Euro und rund 20.000 Beschäftigten.
Die HGV übernimmt die Geschäftsbesorgung für das Sondervermögen Schulimmobilien in Hamburg. Als Eigentümer von Gebäuden und Grundstücken hat das Sondervermögen die Aufgabe, die Schulimmobilien unter Berücksichtigung der schulischen Belange nach wirtschaftlichen Grundsätzen zu planen, zu bauen, zu unterhalten und zu bewirtschaften und sie an die Behörde für Schule und Berufsbildung zu vermieten. Im Auftrag des Sondervermögens kümmern sich die Realisierungsträger Schulbau Hamburg (SBH) und Gebäudemanagement Hamburg (GMH) um Bau und Bewirtschaftung von Schulen.
Die Hamburger Energienetze fusionieren. Der Zusammenschluss der Netzgesellschaftten bündelt die Kompetenzen von rund 2.300 Mitarbeitenden und schafft einen integrierten Netzbetreiber, der für die Versorgung von rund 1,4 Millionen Haushalten sowie der Hamburger Wirtschaft verantwortlich zeichnet.
Die HGV beteiligt sich zudem an dem regionalen Telekommunikationsunternehmen willy.tel GmbH. Am 19. Juni 2024 unterzeichnen die HGV und willy.tel den Anteilskauf- und Abtretungsvertrag über den Erwerb von 49,9 Prozent der Anteile an willy.tel. Gemeinsam soll so ab 2025 der Glasfaserausbau in Hamburg weiter vorangetrieben werden.
Die Freie und Hansestadt Hamburg (FHH) kauft über die HGV die ehemaligen städtischen Pflegeeinrichtungen einschließlich der zugehörigen Immobilien zurück. Mit dem Erwerb der Pflegen & Wohnen Hamburg GmbH (P&W) von der Deutsche Wohnen erweitert die HGV ihr Beteiligungsportfolio um 13 Pflegeheimstandorte in Hamburg mit rund 2.000 Mitarbeitenden und rund 2.400 Pflegeplätzen. Mit dem Rückkauf soll die stationäre Pflege in Hamburg langfristig gesichert und gestärkt werden. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Bewältigung der demographischen Herausforderungen in der Zukunft geleistet.
In unserer Chronik finden Sie weitere Informationen rund um unsere Meilensteine.
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